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Ab zum Maradana-Bahnhof 🛤️
Unser letzter Morgen in Colombo begann ziemlich früh. Wir wollten weiter nach Unawatuna und damit gleichzeitig unsere erste längere Zugfahrt durch Sri Lanka antreten.
Nach dem Auschecken ging es zunächst mit dem Auto zum Bahnhof Maradana. Dabei bekamen wir noch einmal einen richtig schönen Blick auf den Lotus Tower. Von einer Brücke in der Nähe des Bahnhofs hatte man eine tolle Sicht auf das Wahrzeichen Colombos. Eigentlich mussten wir dort sowieso hinüber, weil wir uns beim Aussteigen aus dem Auto auf der falschen Straßenseite hatten absetzen lassen. Es passte also super. 😄
Bevor wir aber über die Brücke sind, haben wir noch einen sehr netten Mann getroffen. Ich hatte meinen zweiten Rucksack am Straßenrand abgestellt, nach dem Aussteigen aus dem Auto und kämpfte etwas damit ihn wieder aufzusetzen. Er stieg extra von seinem Fahrrad ab und gab mit den Rucksack und fuhr erst weiter als er sicher war, dass wir beide alles wieder richtig auf hatten. Einfach so.
Schon wieder so eine Situation, bei der wir uns dachten: Vielleicht sollten wir wirklich langsam aufhören, hinter jeder freundlichen Geste eine Gegenleistung zu vermuten. ❤️ Für Deutschland ist Hilfe im öffentlichen Raum aber einfach so ungewöhnlich, dass man sich erst an die netten Leute hier gewöhnen muss.


Der falsche Fahrplan und ein bisschen Glück 🍀
Unser eigentliches Problem war allerdings der Zug.
Laut dem Fahrplan im Internet sollte unser Zug um 10:30 Uhr fahren. Als wir am Bahnhof ankamen, stellten wir fest, dass die Anzeigetafel vor Ort etwas anderes sagte: 10:10 Uhr.
Und natürlich waren wir erst um 10:10 Uhr da.
Wir mussten noch Tickets kaufen und waren ziemlich sicher, dass wir den Zug damit eigentlich schon verpasst hatten. Zum Glück hatte unser Zug dann Verspätung. Das haben wir aber erst rausgefunden, nachdem wir wie aufgescheuchte Hühner hin und her gelaufen sind. Denn der Mann am Schalter konnte kein Englisch und so mussten wir mehrere Personen am Bahnhof fragen.
Manchmal braucht man auf einer Weltreise eben aber auch einfach ein bisschen Glück. 😅
Dieses Mal entschieden wir uns für Tickets der 2. Klasse. Für die ungefähr vierstündige Fahrt bezahlten wir gerade einmal 1.000 RS – umgerechnet etwa 2,60 € pro Person. Für vier Stunden Zugfahrt fanden wir das schon ziemlich wenig. Wenn man bedenkt was Zugfahren bei uns kostet.
Da wir bis dahin noch nichts gegessen hatten, holten wir uns am Bahnhof noch schnell Roti. Und wieder einmal wurden wir überrascht, wie lecker das Essen hier sein kann. 😋 Das war wirklich allerhöchste Zeit, wir wurden langsam schon Hangry.
Dieses Vorurteil, dass man überall aufpassen muss, was man essen kann, stimmt einfach nicht. Alle haben im Kopf, dass man in Sri Lanka ständig Angst vor Durchfall haben muss. Es ist einfach falsch. Bei uns ist bisher eher das Gegenteil der Fall. Wir vertragen das essen super. Viel besser als jedes essen, das wir bisher auf Reisen hatten. Unser Problem ist eher, dass wir und freuen, wenn wir mal aufs Klo können. 🙈 Man merkt also schnell: Nicht alles, was man vor einer Reise über ein Land hört, muss auch tatsächlich so sein.




Die nächste Herausforderung: die Bahnhofs-Toilette 🚽
Bevor der Zug kam, musste ich noch einmal auf die Toilette. Und dabei entdeckte ich etwas, das wir bisher tatsächlich noch nicht gesehen hatten: ein WC mit beiden WC-Varianten.
Es gab sowohl eine normale Toilette zum Hinsetzen und auch ein Stehklo. Klingt erst einmal praktisch. Blöd nur, dass es auf öffentlichen Toiletten in Sri Lanka eigentlich nie Toilettenpapier gibt. Stattdessen gibt es eine Wasserdusche. Grundsätzlich sind die Toiletten hier erstaunlich sauber. Aber ich muss zugeben: Ich bin bei öffentlichen Toiletten ziemlich pingelig. 😅 Deshalb fasse ich die Wasserdusche dort lieber nicht an.
Ein Tipp ist entweder Toilettenpapier oder Tempos dabei zu haben. Weil je nach Unterkunft etwas mit dem Toilettenpapier gegeizt wird, haben wir eh immer eins dabei, allerdings vorrangig das wir „Zuhause“ immer genug haben.
Endlich im Zug 🚆
Dann kam unser Zug.
Und schon beim Einsteigen stellten wir fest: Das ist jedes Mal ein kleiner Kraftakt. Die Stufen sind ziemlich hoch und mit einem großen Rucksack auf dem Rücken und dem kleinen Rucksack vorne muss man sich erst einmal richtig nach oben ziehen.
Wir hatten 2.-Klasse-Tickets gekauft und hatten natürlich die Hoffnung, dass wir damit auch einen Sitzplatz bekommen würden.
Tja. – Keine Sitzplatzreservierung und die paar Plätze waren natürlich schon besetzt.
Also standen wir erst einmal. Ein Mönch bot uns direkt seinen Platz an, uns kam es aber falsch vor, ihm seinen Platz wegzunehmen. Deshalb lehnten wir dankend ab.
Wenigstens hatte ich so das Problem mit dem drückenden Rucksack nicht, solange ich mich nicht bewegte. 😄 Deshalb war das stehe auch nicht so schlimm.
Kurz darauf wurde die Fahrt allerdings etwas unangenehmer, besonders für Harry.
Er wollte seinen Rucksack im Gepäckfach verstauen, denn viele Fahrgäste waren mittlerweile ausgestiegen und wir konnten zwei Sitzplätze ergattern. Dabei knickte er irgendwie seinen rechten kleinen Fingernagel um. Und das tat nicht nur weh. Es blutete auch.
Harry kann Blut überhaupt nicht sehen. Trotzdem blieb er wirklich tapfer. Er schaffte es noch den Rucksack zu verstauen– und dann wurde es ihm endgültig zu viel. Er bekam Schweißausbrüche und wurde kreidebleich.
Ich saß mittlerweile eine Reihe weiter vorne auf der anderen Seite und versuchte irgendwie, mich zu ihm zu lehnen. Mit Rucksack (meiner stand zwischen meinen Beinen) und Armlehne war das Ganze allerdings deutlich komplizierter als gedacht. 😅
Harry lag inzwischen mehr oder weniger in seinem Sitz und ich gab alles, ihm endlich ein Pflaster auf den Finger kleben zu können. Gleichzeitig liefen die Ventilatoren nicht, solange der Zug stand. Ich machte mir wirklich Sorgen, dass er gleich umkippt. Niemals hätte ich ihn alleine aus dem Zug bekommen.
Aber Harry hielt durch. Tapfer war er auf jeden Fall. ❤️
Nach einiger Zeit ging es ihm langsam wieder besser und auch die Farbe im Gesicht kam zurück. Wir konnten also endlich entspannt weiterfahren.

Sri Lanka zieht am Fenster vorbei 🌴🌊
Und dann begann der Teil der Zugfahrt, auf den wir uns eigentlich gefreut hatten. Die Strecke führte teilweise direkt an der Küste entlang und die Aussicht war einfach wunderschön. 🌊
Draußen zogen Palmen, Häuser, kleine Ortschaften und immer wieder das Meer an uns vorbei. Wir konnten nicht aufhören, aus dem Fenster zu schauen.
Gleichzeitig war im Zug richtig Leben.
Immer wieder kamen Männer durch die Waggons und verkauften Snacks, Obst oder kleine Mahlzeiten. Die Verkäufer liefen einfach durch den Zug und boten ihre Sachen an.
Ein asiatisches Paar machte gefühlt mehrere hundert Fotos von der Landschaft und von sich. 📸 Eine sri-lankanische Familie unterhielt sich quer über mehrere Sitzreihen hinweg miteinander. Und Harrys Sitznachbar (ein kleines Kind) kaufte ein paar Snacks und bot uns beiden davon an. Auch mein Sitznachbar war so freundlich und bot uns immer wieder etwas an.
Schon wieder diese unglaubliche Freundlichkeit. Wir waren mittlerweile wirklich beeindruckt davon, wie selbstverständlich die Menschen hier teilen und helfen.
Und die Snacks waren tatsächlich richtig lecker. 😋
Der einzige wirkliche Minuspunkt der Zugfahrt war die Toilette. Die Tür ließ sich nicht richtig schließen und besonders angenehm roch es dort nicht. Ich war froh wenig getrunken zu haben. Witzigerweise sah ich erst vor kurzem den Spruch: „Ich dehydriere in Asien lieber freiwillig, als dass ich dort eine öffentliche Toilette benutze.“ 😂 Für die Einheimischen war es anscheinend weniger schlimm, sie sind zum Teil sogar Barfuss auf die Toilette. 🚽
Trotz des etwas holprigen Starts wurde die Zugfahrt mit der Zeit richtig schön. Es war laut, wackelig und chaotisch, aber genau das machte den Charme aus. Es machte einfach spaß.
Kurz vor der Ankunft machte ich dann noch etwas, das ich mir am Anfang der Fahrt niemals zugetraut hätte.
Ich hing mich ein kleines bisschen aus der offenen Zugtür. 😄 Natürlich nur so weit, dass es sich noch halbwegs sicher angefühlt hat. Aber es war tatsächlich richtig lustig. Diese offenen Türen, die vorbeiziehende Landschaft und der Fahrtwind – genau solche Momente hatten wir uns von einer Zugfahrt durch Sri Lanka vorgestellt. 🚆🌴
Nach ungefähr vier Stunden kamen wir schließlich an.
Mitten hinein in den Wald 🌳
Vom Bahnhof ging es mit dem Taxi weiter zu unserer nächsten Unterkunft: Rockside Inn.
Und die Fahrt war wieder einmal ein kleines Abenteuer. Wir bogen von der Hauptstraße auf einen kleinen Schotterweg ab. Dann ging es immer weiter in den Wald. Und plötzlich wurde die Straße auch noch richtig steil. Unser Fahrer gab Gas, aber das Auto hatte zu kämpfen, überhaupt den Berg hochzukommen. 😅
Irgendwann standen wir dann tatsächlich mitten im Wald vor unserer Unterkunft. Die Lage war ziemlich außergewöhnlich.
Unser Zimmer befindet sich im ersten Stock und war ähnlich wie unser letztes Homestay mit dem Nötigsten eingerichtet. Dafür war alles sauber, ordentlich und gemütlich. Zur Begrüßung bekamen wir sogar einen frisch gemachten Wassermelonensaft. 🍉 Die Familie ist unglaublich nett.
Bevor es dann weiterging und wir Unawatuna unsicher machen konnten, musste noch eine Sache zu erledigen: Harrys Finger musste verarztet werden.
Nachdem das erledigt war, machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Stadt.
Durch den Wald zum Strand 🐝🌴
Auf dem Weg nach unten entdeckten wir im Wald jede Menge Holzbienen, die um uns herumschwirrten. Wir mussten kurz stehen bleiben und sie beobachten. Die Tiere sind wirklich beeindruckend groß.
In der Stadt angekommen, ging es direkt in den Supermarkt. Wir wollten uns ein Eis holen und probierten damit noch eine Frucht, die wir bisher überhaupt nicht kannten: Holzapfel.
Mein erster Eindruck? Gammelig. 😂
Nach ein paar Bissen wurde der Geschmack tatsächlich besser. Aber mein Freund wird diese Frucht trotzdem nicht. Holzapfel und ich werden wahrscheinlich keine große Liebesgeschichte erleben. Wenigstens war Harrys Eis sehr lecker. 😄

Unser erster Strand in Unawatuna 🌊
Danach ging es endlich zum Strand. Und der war wirklich wunderschön.
Allerdings war es gar nicht so einfach, überhaupt einen Zugang zu finden. Entlang des Strandes liegen viele Bars und Restaurants und man muss durch einen dieser Bereiche laufen, um zum Wasser zu kommen. Wir fanden schließlich einen komplett leeren Barbereich und gingen einfach durch.
Und dann lag er vor uns: Ein wunderschöner, sauberer und fast menschenleerer Strand. 🏖️
Viele Bars und Restaurants waren zu dieser Zeit geschlossen, weil die Saison momentan auf der anderen Seite Sri Lankas ist. Viele Betreiber ziehen dorthin, weil dort mehr Touristen unterwegs sind.
Der Strand selbst war traumhaft. Und ein fast menschenleerer Strand ist doch immer toll. Die Wellen waren immer noch ziemlich hoch, zum Schwimmen ist es hier momentan nichts. Die Küste hier ist schließlich auch für das Surfen bekannt. 🌊🏄♂️
Wir setzten uns für ungefähr zehn Minuten in den Sand und genossen einfach den Moment. Viel länger hielten wir es allerdings nicht aus….Nicht wegen des Strandes. Wir hatten Hunger. 😂

Touristenküste und Tacos 🌮
Eigentlich wollten wir zum Restaurant Rampe, das direkt bei unserer Unterkunft liegt. Leider hatte es zu.
Also schauten wir uns stattdessen die Restaurants und Strandbars entlang der Küste an. Und hier zeigte sich eine ganz andere Seite von Unawatuna. Während wir bisher häufig in kleinen Restaurants mit fast ausschließlich Einheimischen gegessen hatten, war hier alles deutlich stärker auf Touristen ausgerichtet. Westliches Essen, Cocktails, Souvenirläden und alles rund um das Surferleben.
Wir entschieden uns schließlich für Tacos. Sie waren laut Bewertungen ziemlich gut bewertet – unsere Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen. Sie waren nicht schlecht, aber auch nicht besonders aufregend. Dazu war das Essen für sri-lankische Verhältnisse relativ teuer.
Nach dem Essen ging es wieder zurück in unsere Unterkunft.
Der restliche Abend verlief deutlich ruhiger. Harry beantwortete noch ein paar Nachrichten und ich beschäftigte mich mit unserer Worldbitetravel-Webseite. 💻 Nach diesem ereignisreichen Tag waren wir beide froh, einfach etwas Ruhe zu haben.
Und so endete unser erster Tag in Unawatuna.
Mit einer abenteuerlichen Zugfahrt, einem blutigen Fingernagel, jeder Menge hilfsbereiter Menschen, einer wunderschönen Küste und einer Unterkunft mitten im Wald.
Sri Lanka überrascht uns wirklich jeden Tag aufs Neue. 🇱🇰❤️
