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Mit dem Zug von Liyanagemulla nach Colombo 🚂🇱🇰
Der nächste Tag sollte wieder ein spannender werden. Wir checkten aus unserer Unterkunft in Liyanagemulla aus und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Heute stand nämlich unsere erste Zugfahrt in Sri Lanka an. 🚂
Die Bilder von den Zügen in Sri Lanka kennt man aus dem TV. Menschen, die dicht gedrängt in den Türen stehen, offene Waggons und diese kleine Prise Chaos. Wir waren gespannt, ob es tatsächlich genauso sein würde, wie man es aus dem Fernsehen kennt.
Unsere erste Herausforderung war allerdings nicht der Zug selbst, sondern das Zugticket.
Wir hatten gesehen, dass man die Tickets auch online kaufen kann. Weil wir aber gerne vor Ort kaufen wollten (online war uns zu kompliziert), machten wir uns rechtzeitig auf den Weg zum Bahnhof. Unser Vermieter hatte uns vorher noch alles erklärt: Der Bahnmitarbeiter fängt um 10:30 Uhr an, Tickets zu verkaufen. Unser Zug sollte ungefähr um 10:45 Uhr kommen. Er brachte uns sogar extra zum Bahnhof.
Nach kurzer Zeit fiel uns dann leider auf, dass wir direkt beim ersten Ortswechsel unsere Bauchtasche mit allen wichtigen Dokumenten vergessen hatten. Harry rannte direkt los, denn es war nicht mehr lange bis der Bahnmitarbeiter kommen sollte. Wir hatten unglaublich Glück, denn als Harry an der Homestay angekommen ist, sind die Vermieter gerade auf ihren Roller gestiegen. Nur wenige Momente später und wir hätten den ersten Unterkunftswechsel verschieben müssen. 😅
Und tatsächlich: Punkt 10:29 Uhr kam der Mitarbeiter am Bahnsteig an.
Um 10:30 Uhr begann er pünktlich mit dem Ticketverkauf.
Allerdings nicht auf unserem Bahnsteig, sondern auf dem gegenüberliegenden. 😄
Harry musste also erst einmal zum anderen Gleis rüber, um die Tickets zu kaufen, während ich mit unseren beiden großen Rucksäcken zurückblieb und wieder auf alles aufpasste. Besonders mein Rucksack war zu diesem Zeitpunkt deutlich weniger angenehm zu tragen als noch zu Hause. Schon nach der kurzen Zeit hatte ich Schmerzen. Von der kurzen Strecke schmerzten meine linke Hüfte und beide Schlüsselbeine, weil der Rucksack offenbar nicht richtig eingestellt war. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Weltreise mit viel Gepäck. 🎒
Während Harry unterwegs war, füllte sich der Bahnsteig langsam immer mehr. Daher musste ich etwas Platz machen. Als wir ankamen, waren wir die einzigen und legten unsere Rucksäcke auf eine Bank und setzten uns auf eine weitere. Natürlich versuchten wir dann möglichst viel Platz freizumachen, aber die Leute waren so höflich, dass sich niemand einfach dazusetzte, obwohl eigentlich noch genug Platz gewesen wäre.
Dann sprach uns ein älterer Mann an.
Er schenkte uns Magnete, die er offenbar selbst hergestellt und sogar selbst bemalt hatte. Leider konnten wir ihn nicht verstehen, weil er wohl kein Englisch sprach. Sehr ungewöhnlich für Sri Lanka.
Unsere erste Reaktion war allerdings nicht unbedingt pure Freude, eher Irritation und Abwehrhaltung. Wir sind von unseren Eltern schließlich von klein auf indoktriniert worden, dass Menschen selten einfach nur etwas aus Nettigkeit tun oder gar verschenken. Also waren wir erst einmal skeptisch und fragten uns, was er wohl von uns haben wollte.
Aber: Gar nichts.
Er wollte einfach freundlich sein. ❤️
Und so standen wir schließlich mit zwei kleinen selbst bemalten Magneten am Bahnhof und waren ein bisschen beschämt, dass wir ihm zunächst etwas unterstellt hatten. Wir sagten uns, dass wir unbedingt offener sein müssen.
Dann kam endlich unser Zug, der übrigens stolze 160 RS kostete, als umgerechnet 42 ct. 💸
Auf dieser Strecke gab es nur die 3. Klasse, was für uns kein Problem war.
Was wir vorher nicht wussten: Sitzplätze gab es dort für uns nicht. Die wenigen, die es gab, waren besetzt. Also hieß es: stehen. Wenigstens spürte ich den großen Rucksack nicht, wenn ich mich nicht bewegte. 😅
Der Zug setzte sich in Bewegung und ratterte, wackelte und rüttelte uns durch die Landschaft. Die Türen standen offen, Ventilatoren gab es keine. Dafür kam durch die offenen Türen angenehme frische Luft rein.
Und die war auch dringend nötig. Es herrschten dadurch angenehme Temperaturen im Zug, obwohl es draußen unglaublich heiß und schwül war.
Es war für uns ein richtig tolles Erlebnis und wir wollten so viel wie möglich von Sri Lanka mit dem Zug erkunden. Genau für solche Momente sind wir schließlich hier. ❤️
Es fühlte sich überhaupt nicht wie eine normale Zugfahrt an. Alles war neu, laut und ein bisschen chaotisch – und gleichzeitig machte es total viel Spaß.
Immer wieder kamen Männer durch, die Snacks verkauften. Kleine abgefüllte Snackpäckchen, die von Hand abgefüllt wurden. Zumindest sahen die kleinen Plastikpäckchen so aus, als wären sie von Hand zugeschweißt. Bei den einheimischen Mitfahrern waren die kleinen Snackpäckchen super beliebt und kosteten gerade mal 50 RS, also 13 ct.
Draußen zog eine wunderschöne Landschaft an uns vorbei. Leider gab es immer wieder Flüsse, aus denen ein ziemlich unangenehmer Geruch kam. Trotzdem konnten wir kaum aufhören, aus dem Zug zu schauen. 🌴
Nach einiger Zeit kamen wir schließlich in Maradana in Colombo an.
Beim Aussteigen entdeckten wir noch etwas, das wir ziemlich cool fanden: den alten Zugfahrplan. Statt einer modernen digitalen Anzeige, die bei uns üblich ist, werden die Tafeln mit den jeweiligen Zugstrecken und Endhaltestellen noch von Hand eingehängt. Eine dazugehörige Uhr wird auf die Abfahrtszeit gestellt.
Der Bahnhof selbst ist einfach toll. Viel Holz, ein altes Gebäude und überall kleine Details, die daran erinnerten, dass dieser Bahnhof schon sehr lange dort steht, genauer gesagt ist er seit 1908 in Betrieb.
Colombo – eine völlig andere Welt 🏙️
Von Maradana aus ging es zu unserer Unterkunft Greenspace. Maradana ist ein Stadtteil Colombos.
Die Unterkunft war nett und relativ sauber, allerdings mussten wir schon ein bisschen schmunzeln, als wir unser Zimmer sahen. In den Bewertungen war von einer modernen Unterkunft die Rede. Eine grüne Wand und drei Pflanzen machen ein Zimmer allerdings noch nicht unbedingt modern, wenn der Rest eher älter ist. 😄
Der eigentliche Schock kam allerdings im Badezimmer.
Die oberen ungefähr 60 Zentimeter einer Wand bestanden nicht aus einer normalen Wand, sondern aus Holzstäben und waren nach außen komplett offen.
Wir standen erst einmal etwas irritiert davor. Das sind eben die Dinge, an die man sich bei Reisen erst einmal gewöhnen muss. 😅
Colombo fühlte sich ohnehin schon komplett anders an als Negombo. Während Negombo laut, chaotisch und eher gemütlich wirkte, war Colombo deutlich größer, geschäftiger und irgendwie moderner.
Unser erstes Ziel war das One Galle Face, das größte Einkaufszentrum des Landes.
Und dort angekommen, hatten wir tatsächlich das Gefühl, eine komplett andere Welt zu betreten.
Draußen: Hitze, Verkehr, TukTuks, Lärm und Chaos.
Drinnen: klimatisiert, sauber, modern und blitzblank.
Wir wollten eigentlich nach Crocs und einer Cap schauen. Beides fanden wir natürlich nicht. Dafür gab es leckeres pakistanisches Essen. 😋
Da wir beide nicht gerade die größten Shoppingfans sind, waren wir allerdings relativ schnell mit dem Einkaufszentrum durch und machten uns wieder auf den Weg nach draußen.
Die Uferpromenade und der Affe 🐒
Unser nächstes Ziel war das Meer.
Entlang der Promenade kann man toll entlangschlendern. In der Hauptsaison ist hier sicher deutlich mehr los, heute waren allerdings viele Stände geschlossen. Der Wind hat so stark gezogen, dass es einen gefühlt fast weggeweht hat. Deshalb sind viele Verkaufsstände und Sitzgelegenheiten auch abgesenkt angelegt worden. Deren Dächer waren auf unserer Laufhöhe. Und trotzdem schwingten bei den offenen Ständen die aufgehängten Snacks im Wind hin und her.
Auch hier war das Meer wieder ziemlich rau. Die Wellen waren riesig und schlugen mit Kraft gegen die Küste, sodass wir regelmäßig nass wurden. Zum Baden wäre es definitiv nichts gewesen, aber zum Anschauen war es dadurch umso schöner. 🌊
Selbst auf der Promenade kamen uns die TukTuks in einem unglaublichen Tempo entgegen. Wir waren mittlerweile zwar schon etwas selbstsicherer mit dem Verkehr, aber so ganz entspannt waren wir als Fußgänger trotzdem noch nicht.
Am Ende der Promenade setzten wir uns kurz hin, um zu überlegen, was wir als Nächstes machen wollten.
Und dann kam ein Mann mit einem Affen an einer Leine auf uns zu.
Wir wussten direkt, worauf das hinauslaufen sollte. Der Mann wollte mit dem Tier Geld verdienen. Und so etwas unterstützen wir auf keinen Fall, weil die Tiere meist weder gut gehalten noch behandelt werden.
Der Mann kam also näher, sprach uns an und plötzlich sprang der Affe mir direkt in den Schoß. 😳🐒
Für einen kurzen Moment war ich komplett überrascht. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er einfach auf mich springen würde. Und plötzlich saß dieses kleine Tier tatsächlich bei mir. Dieser kleine Babyaffe mit seinen wirklich unglaublich weichen Handflächen.
Gleichzeitig merkte ich ganz leicht seine kleinen Nägel auf meiner Haut. Es war ein total verrücktes Gefühl. Der Affe war so süß und neugierig, dass es schwer war, nicht einfach nur von diesem Moment fasziniert zu sein. Er spielte und langte nach meiner Brille.
Und genau das machte die Situation für uns so schwierig.
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es nicht süß war. Natürlich fanden wir den Affen unglaublich niedlich und dieser kurze Kontakt war etwas, das wir wahrscheinlich nie vergessen werden. Gleichzeitig wussten wir, dass er dort nicht freiwillig saß. Er wurde genau auf so etwas trainiert und vermutlich nicht so gehalten wird, wie es für ihn gut war.
Deshalb haben wir auch kein Foto gemacht und dem Mann kein Geld gegeben.
Kaffee, Technik und ein kleiner Mittagsschlaf ☕😴
Nach diesem etwas verrückten Erlebnis machten wir uns auf den Weg zu Barista, einer sri-lankischen Kaffeekette, ähnlich Starbucks.
Der Kaffee war laut Harry richtig gut. Preislich war er für Sri Lanka allerdings schon deutlich teurer als alles, was wir bisher getrunken hatten.
Danach ging es die Straße runter in noch ein Einkaufszentrum. Wir dachten uns: Vielleicht finden wir hier ja doch noch unsere Crocs und eine Cap.
Aber auch dieser Versuch war erfolglos.
Stattdessen gab es jede Menge Technik.
Ob die Produkte original oder gefälscht waren, konnten wir nicht immer sagen. Die Namen der Shops waren aber wirklich spitze. Z. B. „IBeat“ oder „Apple Tec“. Unser absolutes Highlight war Habibi Technologies. 😄
Durch die Hitze und das viele Laufen wollten wir danach noch bis zum Abendessen aufs Zimmer.
Meistens schaut Harry dann immer irgendwas an und ich lese. Diesmal hat mich der Tag so geschafft, dass ich wohl sogar mit meinem E-Book-Reader eingeschlafen bin. Puhh, das war wohl nötig. 😴







1,9 Kilo Kottu 😂🍛
Am Abend wollten wir natürlich trotzdem noch etwas essen.
Unsere Wahl fiel auf das Jayani Restaurant – wobei „Restaurant“ vielleicht etwas übertrieben ist. Es ist eher ein kleiner Imbiss. Sitzplätze gibt es keine, es ist lediglich ein kleines Fenster, an dem bestellt wird. Wir sind dort angekommen und dieser kleine überdachte Bereich am Fenster war komplett voll mit Einheimischen, die auf ihr Essen warteten oder die bestellen wollten.
Genau in solchen Restaurants wollen wir essen!
Die Küche war ziemlich interessant, zumindest würde ich es so bezeichnen. Als Bodenbelag lagen Kartons herum und dann gab es wohl an dem Tag eine Küchenkatze. Alles wirkte sehr einfach und improvisiert.
So schlimm die Küche aussah, so gut war das Essen. Es war bombastisch. 🤤
Wir bestellten Hähnchen-Kottu und waren gespannt, was uns erwarten würde.
Als wir die Portion schließlich in den Händen hielten, beschlossen wir aus Spaß, sie mit unserer Kofferwaage zu wiegen.
Das Ergebnis:
1,9 Kilogramm. 😂
Für eine kleine Portion.
Wir mussten wirklich lachen. Wer soll denn bitte fast zwei Kilo Kottu essen?
Die Verpackung war ebenfalls interessant. Das Essen wurde in einem kleinen Karton verpackt, mit Plastikfolie ausgelegt und darin eingewickelt. Offenbar ist diese Art der Verpackung hier ganz normal.
Wir saßen später mit unserem riesigen Kottu-Paket da und genossen das leckere Essen.
Spoiler: Natürlich haben wir es nicht geschafft und fragen uns bis jetzt, wer bitte diese kleine Portion schaffen soll. 😂
Den Abend verbrachten wir schließlich mit Recherche und Planung.
Unser nächstes Ziel: Unawatuna. 🏝️ Aber wir wussten noch nicht, wie wir von Colombo dort hinkommen sollten.
Bus? Zug? Welche Verbindung? Wann fährt was? Wo müssen wir umsteigen?
Die Recherche war schwerer als gedacht, einen Zugfahrplan habe ich nicht gefunden. Zumindest nicht mit Zwischenhaltestellen. Nur Start und Endhaltestellen waren online auf der offiziellen Sri Lanka Railway Webseite zu finden. Blöd, wenn man sich noch nicht auskennt. Auch Busfahrpläne gibt es keine. Dafür muss man sich bei den Locals durchfragen.
Und so endete unser erster Tag in Colombo.
Unser Tag war ereignisreich, viel ist passiert. Unsere erste Zugfahrt in Sri Lanka, eine neue Stadt, ein riesiges Einkaufszentrum, das raue Meer, ein unerwarteter Affenbesuch, guter Kaffee und dann noch fast zwei Kilo Kottu.
Langweilig wurde es definitiv nicht. 🇱🇰❤️













